19. WM-Titel für Niggli – 9. Medaille für Merz

Das Schwizer Team sammelte auch am dritten Tag fleissig Medaillen. Simone Niggli holte in der Langdistanz überlegen ihr 19. WM-Gold und Matthias Merz gewann die Silbermedaille.
Den Zuschauern in der Zielarena in Chalet-à-Gobet oberhalb von Lausanne stockte für einen kurzen Moment der Atem. Simone Niggli hatte einen guten Beginn gezeigt und war bei den Zwischenzeiten fast eine Minute schneller als ihre direkten Konkurrentinnen – zumindest bei der ersten Zwischenzeit. Vor dem zweiten Messpunkt, bei dem auch eine TV-Kamera stand, verirrte sich die Ausnahmekönnerin. Sie hatte die falsche Spur erwischt und lief knapp neben dem Posten durch, konnte sich aber noch rechtzeitig auffangen. Die schwedische Titelverteidigerin Annika Billstam war beim Posten 8 einige Sekunden schneller gewesen. «Der Fehler hat mich natürlich geärgert, aber es war gleichzeitig auch ein Weckruf», sagte Niggli nach dem Lauf. Gedanken an den Fatalen Fehler in der Mitteldistanz hatte sie indes keine. «Das Rennen ist über die Langdistanz geht fast 80 Minuten, da kann man einen solchen Fehler wegstecken», meinte sie.

Nach dem kleinen Schreckensmoment zog Niggli im Jorat aber sicher ihre Wege und Routen. Schnell hatte sie bei den Zwischenzeiten wieder eine grosse Reserve auf Billstam und auch die nach der Bernerin gestartete Minna Kauppi konnte nicht mit der Pace mithalten. «Ich bin sehr glücklich», strahlte die nunmehr 19-fache Weltmeisterin im Ziel. «Die Langdistanz ist meine Lieblingsdisziplin, hier wollte ich unbedingt gewinnen», sagte sie. Der Aussetzer vom Dienstag im Mitteldistanzfinal habe sie nicht lange beschäftigt. «Das Rennen heute begann wieder bei Null, und ich wusste, dass ich es auf der Langdistanz kann. Hier kann ich meine technischen Fähigkeiten ausspielen», so Niggli. Und vor allem kommt auch ihre physische Überlegenheit zum Tragen.

Auf der Bahn mit einigen kniffligen Routenwahlen und auch feinen Posten waren immer wieder Entscheide und gute Tempowechsel gefragt. Sara Lüscher und Ines Brodmann, die beiden anderen Schweizerinnen am Start, waren mit ihren Läufen etwas weniger zufrieden. Sie ärgerten sich beide über ihre Routen zum vierten Posten. «Wir haben hier am Vortag noch eine mögliche Route angeschaut, aber die erwies sich dann in der Realität als überhaupt nicht so gut. Es hat sich nicht gelohnt, da unten durch zu laufen. Ich habe mich da etwas zu sehr auf diese versteift», erklärte Sara Lüscher. Gleiches sei ihr schon bei den Weltmeisterschaften vor zwei Jahren in Trondheim passiert. «Ich habe schon unterwegs gemerkt, dass das nicht so gut war.»

Die Zürcher Oberländerin suchte überdies den achten Posten, Nigglis «Problemposten», noch etwas. «Als mich dann Eva Jurenikova einholte, war das schon ein bisschen eines auf den Deckel. Ich brauchte dann einige Zeit, um wieder in den Rhythmus zu kommen», erklärte sie. Auf der Schlussschlaufe konnte Lüscher die Tschechin zwar wieder etwas distanzieren. Als Elfte verpasste sie den angestrebten Top-Ten-Platz allerdings knapp. «Das war so mittel», resümierte sie denn auch. Brodmann verlor auf der langen Route zum Posten 6 viel Zeit und wurde kurz vor dem TV-Posten (Nr. 8) von den nach ihr gestarteten Anne Margrette Hausken Nordberg und Billstam eingeholt. In diesem Tram hielt die Baslerin bis ins Ziel gut mit und wurde schliesslich Neunte.

Bei den Männern standen drei Schweizer Trümpfe am Start, denen allen eine Medaille zuzutrauen war. Gestochen hat letztlich Matthias Merz, der wie schon im Sprint zum Auftakt der WM am letzten Samstag Silber holte – seine insgesamt neunte WM-Medaille. «Ich war einer der Favoriten und habe bestanden, das ist grossartig», freute sich der Aargauer, der vor fünf Jahren auf dieser Distanz schon Weltmeister geworden war. Dabei war ihm der Auftakt in den Lauf überhaupt nicht nach Wunsch gelungen. «Ich habe auf dem Weg zum ersten Posten ein Weglein verpasst», erklärte er. Auf dem Weg zum 12. Posten und vor allem vom 13. zum 14. Posten verlor Merz Zeit. «Ich bin da etwas zu sehr von der Richtung abgekommen. Es waren nur kleinere Sachen, die nicht so genau waren. Aber um Gold zu gewinnen, hätte ich einen super Lauf gebraucht», so Merz. Wie schon an der EM in Schweden im Mai war Olav Lundanes auf der Langdistanz eine Klasse für sich gewesen. Fast drei Minuten verlor Merz auf den fehlerfrei laufenden Norweger. Bronze sicherte sich der Lette Edgars Bertuks, der damit seinen Weltmeister-Titel in der Mitteldistanz eindrücklich bestätigte.

Weniger glücklich waren dagegen die Gesichter der anderen beiden Schweizer. Matthias Kyburz kam von Beginn an nicht richtig auf Touren. «Mir fehlte ein Gang», meinte der Sprint-Weltmeister. Der Unglücksrabe war Fabian Hertner, der wie so viele völlig ausgepumpt im Ziel sich erst einmal ins Gras legte. Der Baselbieter hatte mit seinem starken Finish Den in der Schweiz lebenden Schweden Anders Holmberg von der Spitze verdrängt. Der Hammerschlag kam erst noch für Hertner. Statt den 13. Posten der Männerbahn hatte er den 1. Posten der Frauenbahn, der in unmittelbarer Nähe lag, gestempelt. Dabei wäre das V-Loch sogar noch vor der Quelle gelegen, Hertner muss um ein paar Dezimeter am richtigen Posten vorbeigeeilt sein. Entsprechend untröstlich war er im Ziel – und verärgert über seinen Fehler. Es wäre am Ende der 5. Rang für Hertner gewesen.